Mit Einblicken aus dem Pflegealltag beteiligen wir uns an der Aktion #bessermachen der Caritas in NRW. Ziel ist es, aufzuzeigen, welche Auswirkungen aktuelle Reformvorhaben auf pflegebedürftige Menschen, ihre Angehörigen sowie die Angebote der Altenhilfe haben können – und warum aus Sicht der Praxis an wichtigen Stellen nachgebessert werden muss.
„Gute Pflege braucht verlässliche Rahmenbedingungen und politische Entscheidungen, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren“, sagt Verena Daus, Fachbereichsleitung Pflege und Betreuung bei Herner Caritasverband und Caritas Pflegen und Betreuen Castrop-Rauxel gGmbH (CPB). „Deshalb ist es uns wichtig, unsere Erfahrungen einzubringen und konstruktive Lösungen aufzuzeigen.“
In kurzen Social-Media-Beiträgen greift die Aktion zentrale Themen der Altenhilfe auf. Im Mittelpunkt stehen die Stärkung der häuslichen Pflege, die Entlastung pflegender Angehöriger und der Erhalt bewährter Unterstützungsangebote. Aus Sicht der Caritas müssen geplante Reformen so ausgestaltet werden, dass Pflegebedürftige weiterhin Wahlfreiheit behalten und Unterstützungsangebote flexibel entsprechend ihrer individuellen Situation nutzen können.
Ein Schwerpunkt ist dabei das geplante Sozialraumbudget. Die Einrichtungen der Altenhilfe begrüßen das Ziel, soziale Teilhabe zu fördern und Einsamkeit entgegenzuwirken. Gleichzeitig braucht es ausreichend professionelle Unterstützungsangebote vor Ort. „Nachbarschaftliches Engagement ist wichtig, kann professionelle Begleitung aber nicht ersetzen“, so Daus. „Wer Teilhabe stärken will, muss Begegnungsorte und verlässliche Unterstützungsstrukturen im Quartier fördern.“
Darüber hinaus kritisiert die Caritas den Wegfall des Entlastungsbetrages, der oft auch für die Nutzung eines Tagespflege-Angebotes ergänzend eingesetzt wurde. Diese ermöglicht soziale Kontakte, stabilisiert die häusliche Versorgung und entlastet Angehörige spürbar. „Tagespflege ist weit mehr als ein ergänzendes Angebot – sie hilft, Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern und vermeidet häufig Krankenhaus- oder Heimaufenthalte“, erklärt Daus.
Auch die Rolle ambulanter Dienste wird thematisiert. Die Caritas sieht die geplanten Veränderungen bei Pflegeberatung und Pflegebegleitung kritisch. Ambulante Dienste verfügen über langjährige Erfahrung, kennen die regionalen Versorgungsstrukturen und genießen das Vertrauen vieler Familien. Dieses Potenzial sollte auch künftig für Beratung und Begleitung genutzt werden.
Dabei werden auch die großen Herausforderungen der Altenhilfe sichtbar: Fachkräftemangel, steigender Unterstützungsbedarf und die wachsende Belastung pflegender Angehöriger. Gleichzeitig müssen soziale Teilhabe, Selbstbestimmung und eine wohnortnahe Versorgung sichergestellt bleiben. „Pflegende Angehörige sind das Rückgrat der Versorgung. Sie brauchen Entlastung und verlässliche Unterstützungsangebote, damit Pflege zu Hause auch in Zukunft gelingen kann“, betont Ansgar Montag, Vorstand des Herner Caritasverbandes und Geschäftsführer der CPB.
Ein weiterer Schwerpunkt der Kampagne ist der Erhalt guter Arbeitsbedingungen in der Pflege. Deshalb unterstützen wir auch die Petition der Caritas in NRW zum Erhalt der Tariftreue. Aus unserer Sicht sind faire und verlässliche Arbeitsbedingungen eine wichtige Voraussetzung, um Fachkräfte zu halten, Pflegequalität zu sichern und die Versorgung langfristig zu gewährleisten.
Mit der Aktion #bessermachen möchte die Caritas in NRW die Debatte über die Zukunft der Pflege konstruktiv begleiten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie pflegebedürftige Menschen auch künftig selbstbestimmt, wohnortnah und bedarfsgerecht unterstützt werden können.
Gleichzeitig rufen die Beteiligten weitere Einrichtungen und Akteure der Altenhilfe dazu auf, sich an der Diskussion zu beteiligen. „Je mehr Stimmen aus der Praxis gehört werden, desto deutlicher wird, welche Veränderungen tatsächlich gebraucht werden“, sagt Montag. „Deshalb ist jede Stimme aus der Pflege wichtig.“
Die Petition zum Erhalt der Tariftreue kann unter folgendem Link gezeichnet werden: www.openpetition.org/xpnhb
Unter Caritasverband Herne e.V. (Facebook) und @caritas.herne (Instagram) können Interessierte sich auf den Social Media-Kanälen über die Arbeit und Aktionen des Herner Caritasverbandes und der CPB informieren.